Über den Südlohner Franziskanerpater Elpidius Markötter

Über 6 Millionen Juden wurden von den Nationalsozialisten deportiert, verschleppt und ermordet. Das schwärzeste Kapitel deutscher Geschichte endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945. Über das Schicksal der Juden berichten wir in der Rubrik „Friedhöfe / Gedenksteine“.

Pater Elpidius Markötter

Aber nicht nur die jüdische Bevölkerung litt unter der Herrschaft der Nationalsozialisten. Auch die christlichen Glaubensgemeinschaften wurden bedrängt und verfolgt. Der am 8. Oktober 1911 in Südlohn geborene Franziskanerpater Josef Markötter (Pater Elpidius PFM Obs)  wurde wegen einer am 26. Mai 1940 in der Klosterkirche in Warendorf gehaltenen Predigt ins KZ Dachau verschleppt. In der Predigt zu einem Vers aus dem Neuen Testament (Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Menschenmörder“, 1 Joh.  3-15), hatte er in das christliche Liebesgebot auch Kriegsgegner und Juden eingeschlossen. Am 28. Juni 1942 starb er in Dachau an den Folgen der im Lager erlittenen Entbehrungen. Die Lebensgeschichte:

Pater Elpidius Markötter wurde geboren am 8. Oktober 1911 in Südlohn. Der Vater war Beamter. Er besuchte das Gymnasium St. Ludwig in Vlodrop, Niederlande und studierte an den Ordenshochschulen in Dorsten und Paderborn.

Die Priesterweihe empfängt er am 26. März 1939 in Paderborn. Mitte Januar 1940 wird Pater Elpidius zur Ausbildung der Novizen in das Kloster Warendorf versetzt, wo er auch in der Seelsorge tätig ist. Am 26. Mai 1940 hält er in der Klosterkirche in Warendorf die Frühmesse. In seiner Kurzpredigt spricht er über das allumfassende Liebesgebot. In den Mittelpunkt stellt er einen Vers aus dem Neuen Testament: „Jeder der seinen Bruder hasst, ist ein Menschenmörder, und ihr wisst, dass kein Menschenmörder ewiges Leben als dauernden Besitz hat.“ (1. Johannesbrief Vers 3-15). Am 4. Juni 1940 wird er aufgrunde seiner Predigtworte verhaftet. Am 15. Juni 1940 wird der Pater dem Amtsrichter vorgeführt. Auf Anordnung der Gestapo (Geheime Staatspolizei) bleibt er weiterhin in „Schutzhaft“ und wird nach Münster verlegt. Am 1. November 1940 tagt in Warendorf das Sondergericht in Sachen Elpidius Markötter. Immer wieder stellt er in dieser Verhandlung seine christliche, moralische Verantwortung in den Vordergrund. Nach Anrechnung der Untersuchungshaft wird er als freier Mann entlassen. Trotzdem wird er von der Gestapo wieder verhaftet.

Am 13. Januar 1941 bringt man ihn mit einem Gefangenentransport nach Sachsenhausen bei Oranienburg. Dort erlebte er eine schwere Zeit aber auch viel Anerkennung bei seinen Mitgefangenen. Im September 1941 wird er nach Dachau überführt, wo er am 26. September eintrifft. Anfang 1942 erkrankte er schwer. Zu diesem Zeitpunkt wiegt er nur noch 40 kg. Trotzdem wird er zur Mitarbeit beim Bau von Häusern eingeteilt. Hier erleidet er schwerste Verletzungen. Seine Kräfte schwinden immer mehr. Am 28. Juni 1942 wird er mit schweren Magenschmerzen in die Krankenstation gebracht. In den Abendstunden des Sonntags stirbt Pater Elpidius Markötter mit den Sterbesakramenten versehen in der Dachauer Haft. Sein Leichnam wird im Dachauer Krematorium eingeäschert. Sein Grab befindet sich in der Klosteranlage in Warendorf.

(Quelle: Kirche + Leben 2. Oktober 2011 – Nr. 39)

Dokumente der Zeitgeschichte

Quelle: Ulrich Söbbing, Gemeindearchiv Südlohn mit freundlicher Genehmigung vom Neffen Hermann Schmitz, der den Nachlass von Pater Elpidus Markötter verwaltet.

Am 22. März 1933, wenige Wochen nachdem Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt worden war, wurde in Dachau ein Konzentrationslager (KZ) für politische Gefangene eingerichtet. Es diente als Modell für alle späteren Konzentrationslager und als „Schule der Gewalt“ für die Männer der SS, unter deren Herrschaft es stand. In den zwölf Jahren seines Bestehens waren über 200.000 Menschen inhaftiert. 41.500 wurden ermordet. Am 29. April 1945 befreiten amerikanische Truppen die Überlebenden.
www.kz-gedenkstaette-dachau.de

 Am 13. Juni 1942 schrieb Pater Elpidius Markötter seinen letzten Brief an seine Eltern und Geschwister. Der Inhalt des Briefes zeigt die tiefe Verbundenheit zu seinem Heimatort Südlohn. Gleichzeitig wird deutlich, dass Pater Elpidius Markötter keine negativen Kommentare über die Zustände im Konzentrationslager Dachau gibt. Die bestehende Zensur hätte das auch nicht zugelassen. Möglicherweise wollte er seinen Eltern und Geschwister auch keinen Grund zur Sorge geben.

Der Brief ist in „Sütterlinschrift“ verfasst. Diese von dem Berliner Grafiker L. Sütterlin geschaffene Schreibschrift (im Volksmund „deutsche Schrift“) wurde von 1915 bis etwa 1940 in deutschen Schulen gelehrt. (www.suetterlinschrift.de) Hier für die interessierten Leser die „Übersetzung“ in unserer heutigen Schreibschrift und Maschinenschrift.


 Abschrift des Briefes (Schreibschrift)

 Abschrift des Briefes (Maschinenschrift)

Das unmenschliche System der Konzentrationslager im „dritten Reich“ gab präzise Anweisungen für den Schriftverkehr mit Gefangenen.


 

Abschrift des Telegrammes

 Der Telegrammtext zeigt die ganze Menschenverachtung des Systems. Die Angehörigen werden aufgefordert, innerhalb 24 Stunden Mitteilung zu machen, ob Leichenbesichtigung erwünscht ist. Das war gar nicht möglich. Nach dem Telegramm ist Pater Elpidus Markötter gestorben am 28. Juni 1942, das Telegramm wurde abgesendet am 30. Juni 1942. Unterzeichnet wurde das Telegramm vom SS Obersturmführer Hofmann, er zeichnete sich durch Härte und Brutalität aus, ganz im Sinne des in der SS herrschenden Geistes. Nach dem Krieg tauchte Hofmann unter mit einer falschen Identität. Seine Verhaftung wegen der in Dachau begangenen Straftaten erfolgte am 16. April 1959. Er wurde 1961 wegen Mordes zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Im ersten Auschwitzprozess am 10. August 1965 wurde er vom Landgericht Frankfurt nochmals zu lebenslanger Haft verurteilt. Hofmann verstarb im August 1973 in Strafhaft. (Quelle: Wikipedia)

Die Heimatgemeinde erinnert an Pater Elpidius Markötter

Die Gemeinde Südlohn, die Kirchengemeinde St. Vitus und die Einwohner haben Pater Elpidis Markötter nicht vergessen. Die Straße „Elpidiusstraße“, der „Elpidiusstein“ und der „Stolperstein“ vor dem Elternhaus in der Doornte erinnern an den Sohn der Gemeinde.

Elpidiusstein

Der Elpidiusstein an der Elpidiusstraße erinnert an Pater Elpidius Markötter



Stolpersteine

Auch der vor dem Elternhaus an der Doornte verlegte Stolperstein erinnert an Pater Elpidius Markötter

Die Gemeinde hat in unmittelbarer Nähe des Elternhauses von Pater Elpidius Markötter eine Straße nach ihm benannt und trägt auch so dazu bei, dass der Name nicht in Vergessenheit gerät.

In der Pfarrkirche St. Vitus zu Südlohn wurde am 8. Oktober 2011 anlässlich des 100. Geburtstages von Pater Elpidius Markötter ein festlicher Gottesdienst gefeiert und an das Wirken des Franziskanerpaters erinnert. Lesen Sie hier den dazugehörigen Artikel der Münsterland – Zeitung vom 6. Oktober 2011 unter dem Titel: „Pater Elpidius gedenken“.


Zeitungsausschnitt vom
06.10.2011

Pater Elpidius gedenken

Südlohner starb 19422 im KZ Dachau / Vor 100 Jahren in Südlohn geboren.

Nach dem feierlichen Gottesdienst referierte Professor Dr. Wilhelm Damberg im überfüllten Wiegboldsaal des Hauses Wilmers zum Thema „Die katholische Kirche und die Juden im Dritten Reich“. Dr. Wilhelm Damberg ist Professor für Kirchengeschichte an der Ruhr – Universität in Bochum und Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission für Zeitgeschichte in Bonn. Lesen Sie hier den dazu erschienen Pressebericht der Münsterland – Zeitung vom 11. Oktober 2011 unter dem Titel: „Gestörter Dialog“.


Zeitungsausschnitt vom
11.10.2011

Der Vortrag von Herrn Professor Dr. Damberg wurde in der Bevölkerung lebhaft diskutiert. Warum? Weil nach Jahrzehnten deutlich wurde, welchen Stellenwert der Südlohner Franziskanerpater Elpidius Markötter einnimmt.

Download Manuskript von Prof. Dr. Wilhelm Damberg


Zeitungsausschnitt vom
14.10.2011

Im Leserbrief von Maria Lüdiger-Schmeing vom 14. Oktober 2011 heißt es: „……. Pater Elpidius steht in der damaligen Zeit als einzigartiger und mutiger Glaubenszeuge da, der durchaus einen besonderen Platz in der Kirchengeschichte verdiene, weit über die Diozöse Münster hinaus. Lesen Sie hier den Leserbrief.


Zeitungsausschnitt vom
28.06.2012

Gedenken an einen, der seinen Mut mit dem Leben bezahlte