Südlohn und seine Geschichte

Streifzug durch die Geschichte des Wiegboldes Südlohn und der Bauerschaft Eschlohn

Urnenfunde aus der Bronzezeit, die zwischen Südlohn und Oeding gemacht wurden, lassen den Schluss zu, dass unsere Heimat vor 3000 Jahren besiedelt war. In frühmittelalterlicher Zeit bildete sich rund um den Lohner Esch, dessen Ackerflur sich über eine Länge von rund sechs Kilometern und einer Breite von 500 bis 1000 Metern zwischen den Flussläufen der Schlinge und Berkel erstreckt, ein Ring von Bauernhöfen, der das Landschaftsbild noch heute bestimmt.

Ausgangspunkt für die Entstehung dörflicher Siedlungen waren die Haupthöfe Lohn im Norden und Schulze Pröbsting im Süden. In der Nähe des Hofes zu Lohn entstand um 800 nach Christus mit St. Otger eine der ältesten Pfarrkirchen des Bistums Münster. Auf dem Grund und Boden des Hofes Schulze Pröbsting bestand schon im 12. Jahrhundert innerhalb dieses Urkirchspiels eine Kapelle. Im Jahre 1231 erhob Bischof Ludolf von Münster (1226 – 1247) die Vitus-Kapelle zur Pfarrkirche und wies ihr den als Südlohn bezeichneten südwestlichen Teil der Mutterpfarre mit den Bauerschaften Eschlohn und Nichtern als Kirchspiel zu. Die Niederlassung von Kleinbauern, Händlern und Handwerkern im Umfeld der Kirche führte zur Bildung des Dorfes Südlohn.

Große Bedeutung für die Entwicklung des Dorfes hatte der spanisch-niederländische Krieg (1568-1648), in dessen Verlauf es immer wieder zu Plünderungen des westmünsterländischen Grenzraumes kam. Um sich zu schützen, errichteten die Südlohner im Jahre 1597 mit Genehmigung des Fürstbischofs von Münster eine aus Wall und Graben bestehende Befestigungsanlage und erhielten zu deren Unterhalt im Jahre 1617 die Marktrechte. Zwei Bürgermeister standen an der Spitze der Verwaltung. Das Siegel des Wiegbolds zeigte eine dreiblättriges Kleeblatt.

Situationsplan des Dorfes Südlohn aus dem Jahre 1596 mit dem Haus Lohn und dem Hof Pröbsting.

Mit der Befestigung war der Ort zwar gegen Überfälle kleinerer Einheiten gesichert, nicht jedoch gegen größere Heeresmassen. 1598 hielten die Spanier die Gegend mit 30.000 Mann besetzt. Die arme Bevölkerung hatte unsäglich zu leiden. Auch im 30-jährigen Krieg von 1618 bis 1648 ging es den Bewohnern nicht viel besser. Graf Anholt und der Feldmarschall Tilly schlugen am 6. August 1623 mit ihren Truppen den „tollen“ Christian in der „Schlacht im Lohner Brook“ bei Stadtlohn. Auf seiner Flucht in die Niederlande durchquerte Christian von Braunschweig auch Südlohn. Nach Ende des 30-jährigen Krieges herrschte in den Dörfen des Westmünsterlandes Not und Elend.

Befestigungsplan für Südlohn mit zusätzlichen Häuserzeilen an der Holzstraße und am Nordwall. In dieser Form wurde der Plan weitgehend umgesetzt. Die Befestigungsanlagen sind überhöht gezeichnet und wirken fast wie Mauern, angelegt wurden jedoch nur Wallanlagen. Zwei Torhäuser ermöglichten den Zugang.

Heute erinnern Bronzetafeln an die Geschichte des Wiegboldes Südlohn.

Das Wiebold in Südlohn im Jahr 1731

Mühlentor – Ansicht nach dem Befestigungsplan von 1597.
Der Torbalken trug die Inschrift:
Tria placent Deo et hominibus:
Concordia fratrum
amor proximorum,
vir et mulier bene sibi consentieentes
Drei Dinge gefallen Gott und den Menschen:
Eintracht unter Brüdern,
Nächstenliebe und gutes Einvernehmen
zwischen Mann und Frau

 

Eschtor – Ansicht aus dem Jahre 1731. Der Torbalken trug die Inschrift:
Nisi Dominus custodierit civitatem,
frustra vigilat,
qui custodit eam.
Wenn der Herr die Stadt nicht bewacht,
wacht der Wächter vergebens.

Der Heimatverein Südlohn unter Federführung von Helmuth Emmerich und die Roncalli –Schule mit Rektorin Doris Bennemann organisieren den Film „775 Jahre Südlohn. Der Film spiegelt eindrucksvoll die Gegebenheiten um Bau von Wall und Graben wider.

Nach Fertigstellung der Befestigung war der Ort zwar gegen die Überfälle einzelner Streifkorps gesichert, nicht jedoch gegen größere Heeresmassen. 1598 hielten die Spanier die Gegend mit 30.000 Mann besetzt. Die arme Bevölkerung hatte unsäglich zu leiden. Auch in dem 30 – jährigen Krieg von 1618 bis 1648 ging es den Bewohnern nicht viel besser. Graf Anholt und der Feldmarschall Tilly schlugen mit ihren Truppen den „tollen“ Christian am 6. August 1623 in der „Schlacht im Lohner Brook“ bei Stadtlohn. Nach Ende des 30 – jährigen Krieges lagen die Dörfer im Westmünsterland in Schutt und Asche.

Kanonenkugeln, die bei einem Ausbau der Gaststätte Nagel im Verlauf des früheren Ringgrabens gefunden wurden.
Sie gelangten vermutlich bei einer Einquartierung spanischer Soldaten 1598/99 oder  käiserlicher Einheiten um 1622/23 in die Gräfte. Die Kanonenkugeln befinden sich in der Heimatstube, im Kaminzimmer der Gaststätte Nagel und in einer Vitrine vor dem Bürgermeisterbüro im Rathaus.
Zwischen 1665 und 1673 führte Christoph Bernh. von Galen zwei Kriege gegen die Niederlande. Wiederum brach große Not aus. Als Grenzort war Südlohn bald von der einen, bald von der anderen Seite besetzt, sodass die Drangsale kein Ende nahmen.
Auch der Siebenjährige Krieg von 1756 bis 1763 brachte Not und Elend
Die französische Revolution rief ebenfalls so manche Veränderung hervor. 1794 besetzten die Franzosen das linke Rheinufer, Französische Truppen zogen über Südlohn, Bentheim nach Hannover. Die Franzosen verlangten beste Bewirtung. Durch die Zollgrenze nach Holland war der Warenaustausch unterbunden. Es entwickelte sich ein ausgedehnter Schleichhandel – „Schmuggel“ war unausweichlich.
Im Dezember 1810 vereinigte Napoleon das Fürstentum Salm mit dem Kaiserreich Frankreich. Napoleon stand auf dem Gipfel der Macht.
Nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig am 18.11.1813 nahm Preußen die westfälischen Länder in Besitz. Die Bildung des Kreises Ahaus erfolgte am 10. August 1816.
Bis 1883 hatten Südlohn und Oeding mit den Bauernschaften Nichtern und Eschlohn ein Amt gebildet, welches dem Amt Stadtlohn angegliedert wurde.

Ansichtskarte der Holzstraße um 1910. Die Holzstraße entstand im Zuge der Befestigung Südlohns als ein geplanter Straßenzug, der dem Verlauf des nördlichen Walles folgte. Der Name lässt darauf schließen, dass er in früheren Jahren mit Holzbohlen ausgelegt war.

Viel Blut kostete der erste Weltkrieg von 1914 bis 1918. Die Verluste an Menschenleben waren harte Opfer, die vielen Familien Trauer und Kummer brachten. Insgesamt fielen 73 Soldaten aus der Gemeinde bzw. wurden vermisst.

Der im Jahre 1922 aufgestellte Friedensengel erinnert an die Toten des 1. Weltkrieges 1914 – 1918 und an die 6 Gefallenen des Krieges 1870 / 71. Die Namen der Gefallenen sind im Sockel des Denkmals eingemeißelt.

Die Jahre nach dem ersten Weltkrieg (1914 – 1918) bis zum Ende des zweiten Weltkrieges (1939 – 1945) war der wohl bewegendste Teil deutscher Geschichte.

Die deutsche Inflation von 1914 bis 1923 war eine der radikalsten Geldentwertungen, die eine Industrienation je erlebte. Die Weimarer Republik brachte die „Goldenen Zwanziger Jahre“ hervor. Die Weltwirtschaftskrise ab Ende 1929 mündete ab 1930 in den Aufstieg der Nationalsozialisten und in die furchtbaren Ereignisse des weltumfassenden Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 mit ca. 55 Millionen Kriegstoten. Während des ersten Weltkrieges blieb die Zivilbevölkerung von den Kampfhandlungen weitgehend verschont.

Der Zweite Weltkrieg brachte der Zivilbevölkerung unendliche Not durch Luftangriffe, Vertreibung, Hunger und Entbehrungen. Auch Südlohn blieb nicht verschont. Besonders in den letzten Kriegstagen wurde Südlohn am 22. März 1945 in 3 Bombenangriffen furchtbarster Art zerstört. 72 Menschen starben. Ungleich mehr fanden den Tod auf den Schlachtfeldern. 246 Bürger aus Südlohn und Oeding fielen bzw. wurden vermisst. Nicht eingerechnet hierin sind die sieben jüdischen Familien, die deportiert und ermordet wurden.

Bilder von der Zerstörung

Der zerstörte Kirchplatz

Der westliche Teil der Holzstraße

Die Aufträumarbeiten und der Wiederaufbau haben im Sommer 1945 in der Holzstraße schon begonnen.

Blick auf St. Vitus von der Holzstraße

Blick in die Kirchstraße in östlicher Richtung. Im Hintergrund die Weberei Föcking & Cohausz.

Der zerstörte Ortskern.

Die Volksschule St. Vitus erhielt viele Treffer, obwohl sie als Lazarett gekennzeichnet war. Zahlreiche Menschen kamen in dem Gebäude ums Leben.

Das beschädigte „Kalvarienkreuz“ hinter dem Chor der St. Vitus – Kirche.

Zum Gedenken an die Toten wurde auf dem alten Friedhof eine Ehrenmalanlage errichtet. In den Stelen der Anlage sind die Namen der Toten und Gefallenen eingraviert.

Zeitzeugin Viktoria Bennemann, geb. Emmerich

Wie stark sich die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges in das Bewusstsein der Bevölkerung eingeprägt haben, machen die Tagebucheinträge von Viktoria Bennemann deutlich. Auch Jahrzehnte später werden die Ereignisse immer wieder beschrieben.

Zeitzeugin Viktoria Bennemann

geb. Emmerich,
1904 geboren
1998 gestorben

Tagebucheintragung zu den Geschehnissen des 22. März 1945, geschrieben am 22. März 1995 im Alter von 91 Jahren

Textwiedergabe Seite 295 des Tagesbuches mit ergänzenden Texten

Diese Bücher / Bildbände sind zu empfehlen, wenn Sie sich mit der Geschichte der Gemeinde vertraut machen wollen.

Südlohn – Oeding im Spiegel der frühen Fotografie, herausgegeben von der Gemeindeverwaltung Südlohn im September 1981, zusammengestellt anlässlich der 750 – Jahr – Feier 1981
Südlohn und Oeding – Zwei Dörfer – eine Gemeinde, 2006 herausgegeben von der Gemeinde Südlohn, Bearbeitet von Ulrich Söbbing,
ISBN 3-93 5235-03-8

Bildband Südlohn und Oeding, Texte von Manfred Schmeing, Georg Beining,

Fotos von Manfred Schmeing, Herbert Schlottbom, Georg Beining,
ISBN 978-3-936414-27-1